Nachts kommen die Bilder

DOKUMENTARFILM ÜBER KRIEG, GEWALT, BEDIGUNGSLOSE MUTTERLIEBE UND DAS RAUCHEN

Deutschland 2010  I  45 Minuten  I Idee, Kamera, Schnitt: Ulrike Korbach

Der Dokumentarfilm „Nachts kommen die Bilder“ begleitet die ehemalige Zwangsarbeiterin Czeslawa Wölfel in ihren letzten Lebensmonaten.

Die alte Dame lebt in einem Seniorenheim nahe Bielefeld. Es fällt ihr schwer, sich mit ihrem neuen Zuhause abzufinden. Keiner hat richtig Zeit. Keine Zeit, die Rezepte ihrer Heimat Polen für die Nachwelt zu erhalten, oder sie gar mal nachzukochen. Und schon gar keine Zeit, um zuzuhören. Dabei würde es sich lohnen, Geschichten aus mehr als 80 Jahren deutsch-polnischen Lebens zu hören, in dem einzig die Gewalt und die bedingungslose Liebe zu ihren Kindern verlässliche Größen waren.

Czeslawa wurde 1927 in Polen geboren, ihr hätte der Weg aufs Gymnasium offen gestanden. Stattdessen führte er aber nach Deutschland – in die Zwangsarbeit.

 

Der Film ist geprägt von Czeslawas schonungslosen Erzählungen über ihr außergewöhnliches und dennoch historisch exemplarisches Leben. Im Wechsel dazu stehen Alltagsbeobachtungen im Stil des Cinema Verité. Die Kamera beobachtet die Familie, die sich trotz großer Herausforderungen einen liebevollen Umgang und ihren Humor bewahrt hat. Sie ist immer nah dran, aber niemals wertend. Möglich wurde das durch das enge Vertrauensverhältnis der Filmemacherin zu den Familienmitgliedern. Seit mehr als zwanzig Jahren ist sie mit Czeslawas Kindern befreundet.

NACH ENDE DES KRIEGES WUSSTE SIE NICHT WOHIN.
Sie gehörte zu der Gruppe der so genannten „heimatlosen Ausländer", oder, wie die Briten treffender sagten „displaced persons“ . So wurden alle die Menschen genannt, die in Deutschland bleiben mussten oder durften, weil es ihnen nicht zuzumuten war, in ihre frühere Heimat zurückzukehren. Dies waren sowohl ausländische Kollaborateure mit Nazideutschland als auch die Zwangsarbeiter, denen aufgrund der politischen Verhältnisse in ihren Heimatländern Verfolgung drohte. Aufgrund dieses Status und mangels Alternativen blieb Czeslawa erst mal in Deutschland, wo sie ihren ersten Mann, einen polnischen Soldaten, kennen lernte.

„DAS WAR KEIN LEICHTES LEBEN - NEIN, BESTIMMT NICHT"

resümiert Czeslawa zum Ende ihrer Erzählungen. Und doch erscheint sie nicht gebrochen, hat ihren Kindern versucht ein Stück Eigenständigkeit und Stärke auf den Lebensweg zu geben. Auch wenn sie nicht alles ausgleichen konnte, so zeugt doch der liebevolle Umgang der überlebenden Familienmitglieder miteinander von enormer Akzeptanz. Ebenso ungewöhnlich erscheint das selbstkritische Eingeständnis der Mutter am Ende ihres Lebensweges: „Vielleicht, wenn ich wär‘ ein bisschen mutiger gewesen..."